Zivilcourage verbindet: Alltagshelden beim MeinLand-Fachtag in Berlin
Mit „Alltagshelden – Zivilcourage in Bewegung“ brachten wir unsere Bildungsarbeit in den bundesweiten MeinLand-Fachtag ein. Unser Workshop setzte dabei auf das praktische Erproben von Handlungsmöglichkeiten.

Foto: Daniel Pasche
Graphic Recording: Nadine Roßa
Berlin, 11. September 2026.
Menschen aus ganz Deutschland kamen zum Fachtag „MeinLand – Zeit für Zukunft“ zusammen.
Unter dem Motto „Gemeinsam Zukunft gestalten – von starken Bündnissen zu starken Netzwerken“ ging es darum, Erfahrungen aus der kulturellen Bildungsarbeit zu teilen und die Zusammenarbeit über einzelne Projekte hinaus weiterzuentwickeln.
Vom Hinschauen zum Handeln
Unser Workshop begann mit einer Aufmerksamkeitsübung im Stuhlkreis. Anschließend stellten die Teilnehmenden eine Alltagssituation nach und erprobten im Rollenspiel verschiedene Reaktionen. Gemeinsam reflektierten sie, wie diese wirkten und welche Handlungsmöglichkeiten sich eröffneten. Zivilcourage wurde damit nicht nur besprochen, sondern praktisch ausprobiert.
Dahinter steht ein Grundgedanke unserer Bildungsarbeit: Menschen sollen nicht nur erkennen, dass jemand Unterstützung braucht. Sie sollen auch Möglichkeiten kennenlernen, diese Unterstützung zu leisten. Dabei geht es nicht darum, jede Konfrontation zu suchen. Sich Betroffenen zuzuwenden, Hilfe zu holen oder Abstand zu schaffen, können ebenso Formen couragierten Handelns sein. Der eigene Schutz gehört dazu.
Für unseren Verein verbindet sich damit ein persönliches Anliegen: Tugces Andenken in eine Bildungsarbeit zu übersetzen, die Menschen im Alltag stärkt. Unsere Alltagshelden-Workshops schaffen Gelegenheiten, Perspektiven zu wechseln und gewaltfreie Handlungsmöglichkeiten zu erproben.
Zivilcourage praktisch erproben: Im Alltagshelden-Workshop wurden unterschiedliche Reaktionen auf eine Alltagssituation gemeinsam reflektiert.
Foto: Daniel Pasche
Graphic Recording: Nadine Roßa
Erfahrungen teilen, Zusammenarbeit weiterdenken
Der Fachtag stellte auch eine Frage, die über einzelne Methoden hinausreicht: Wie können Bildungsorganisationen ihre Zusammenarbeit unter veränderten gesellschaftlichen Bedingungen und bei knapper werdenden Ressourcen stärken?
Das Programm setzte dafür auf Vernetzung in Kleingruppen und ein Barcamp – ein offenes Austauschformat, in das die Teilnehmenden eigene Themen, Fragen und Praxisbeispiele einbringen. Im Mittelpunkt stand das Lernen voneinander: Erfahrungen weitergeben, Herausforderungen benennen und gemeinsam nach Ansätzen für die eigene Arbeit suchen.
Für uns liegt darin der Wert solcher Begegnungen. Wir möchten unsere Erfahrungen mit Zivilcourage-Bildung zugänglich machen und zugleich offen dafür bleiben, wie andere Organisationen arbeiten. Nicht jede Methode passt zu jeder Gruppe. Gerade deshalb lohnt sich der Austausch darüber, welche Zugänge sich in unterschiedlichen Zusammenhängen bewähren.
Eine Verbindung, die über den Fachtag hinausreicht
Mit MeinLand verbindet uns bereits die Umsetzung von „Alltagshelden kreativ“. Das Projekt wurde im Rahmen von „MeinLand – Zeit für Zukunft“, dem Programm der Türkischen Gemeinde in Deutschland innerhalb von „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“, gefördert. Es verbindet drei Zugänge: Theater und Film, KI und Medienkompetenz sowie Comics für Zivilcourage.
Jugendliche entwickeln dabei eigene Szenen und Geschichten, setzen sich mit digitalen Medien auseinander und gestalten Comicfiguren. Mut, Empathie und Haltung werden zum Gegenstand ihrer eigenen kreativen Arbeit. Das Angebot besteht über den Förderzeitraum hinaus und kann von Schulen als Projekt- oder Ferienwoche gebucht werden.
Auch abseits der Workshops bot der MeinLand-Fachtag Raum für Begegnung und Austausch: bei gemeinsamem Essen, Gesprächen und neuen Kontakten zwischen den Teilnehmenden.
Foto: Daniel Pasche
Graphic Recording: Nadine Roßa
Junge Menschen gestalten mit
Auch der Ansatz „Rap als Methode“ von INfreestyle e.V. bot einen Einblick in beteiligungsorientierte Bildungsarbeit. Ausgangspunkt sind frei gesammelte Wörter der Jugendlichen. Diese werden gemeinsam geordnet; daraus entstehen Themen und anschließend eigene Texte. Die Inhalte werden also nicht vorgegeben, sondern entwickeln sich aus den Ideen der Gruppe.
Beim Fachtag selbst übernahmen vier Jugendliche aus zwei MeinLand-Bündnissen eine aktive Rolle: Mit einem eigenen Podcast begleiteten sie die Veranstaltung, führten Interviews und sammelten Stimmen und Eindrücke.
Daran knüpft unser Verständnis von Beteiligung an: Junge Menschen sollen nicht nur Adressatinnen und Adressaten von Bildungsangeboten sein. Wir möchten ihnen Raum geben, eigene Fragen zu stellen, Perspektiven einzubringen und Ergebnisse mitzugestalten.
Was wir aus Berlin mitnehmen
Die zeichnerische Dokumentation von Nadine Roßa verbindet die Themen des Tages in einem gemeinsamen Bild: kulturelle Bildung, Teilhabe, Selbstwirksamkeit und Vernetzung. Auch Alltagshelden ist darin festgehalten – mit Aufmerksamkeit, geteilter Verantwortung und Selbstschutz als zentralen Gedanken.

Foto: Daniel Pasche
Graphic Recording: Nadine Roßa
Wir danken dem MeinLand-Team, der Türkischen Gemeinde in Deutschland und allen Mitwirkenden für den Austausch und die Möglichkeit, unsere Arbeit einzubringen.
Für unsere weitere Bildungsarbeit verbinden wir damit einen klaren Anspruch: Erfahrungen teilen, voneinander lernen und jungen Menschen Möglichkeiten eröffnen, selbst zu gestalten. Damit aus der Bereitschaft, anderen beizustehen, konkrete Handlungsmöglichkeiten werden.
Ansprechpartner:
Batuhan Yildirim
Praktikant





Comments