Haltung zeigen, besonnen handeln – Alltagshelden an der Beruflichen Schule Berta Jourdan
15 Teilnehmende im Alter von 20 bis 35 Jahren setzen sich theaterpädagogisch mit Zivilcourage, persönlichen Grenzen und verantwortungsbewusstem Handeln auseinander

Schüler*innen an den beruflichen Schulen Berta Jourdan in Frankfurt erfahren im Workshop über Zivilcourage, Verantwortung und gemeinschaftlichen Zusammenhalt.
Frankfurt am Main, 22.09.2026
Am 22. September 2026 war der Tuğçe Albayrak e. V. mit seinem theaterpädagogischen Bildungsformat „Alltagshelden – Zivilcourage erleben“ an der Beruflichen Schule Berta Jourdan in Frankfurt am Main zu Gast. Mit 15 Teilnehmenden im Alter von 20 bis 35 Jahren richtete sich der Workshop diesmal an eine erwachsene Gruppe. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Menschen in schwierigen Situationen für andere einstehen und dabei die eigene Sicherheit im Blick behalten können.
Ansprechpartnerin für die Organisation war Masumi Eichhöfer. Begleitet wurde die Gruppe von Frau Belanger. Der Termin fand im Kontext der Respect-Coach-Arbeit statt.
Wenn Haltung im Alltag gefragt ist
Eine Person wird herabgewürdigt, ein Gespräch kippt in offene Anfeindungen oder jemand wird vor den Augen anderer ausgegrenzt. Solche Situationen werfen Fragen auf, die nicht mit dem Ende der Schulzeit verschwinden: Soll ich etwas sagen? Wie kann ich Unterstützung anbieten? Was hält mich zurück? Und welche Reaktion ist in diesem Moment angemessen?
Für eine erwachsene Gruppe bietet die Auseinandersetzung mit Zivilcourage deshalb vielfältige Anknüpfungspunkte. Neben dem schulischen Umfeld können auch Erfahrungen aus dem Berufsleben, dem Freundeskreis oder dem öffentlichen Raum in den Blick genommen werden. Dabei geht es nicht darum, von außen vorzugeben, wie jemand handeln muss, sondern unterschiedliche Möglichkeiten zu entdecken und ihre Grenzen zu reflektieren.
Genau hier setzt „Alltagshelden“ an. Das Bildungsformat verbindet die Beschäftigung mit Gewalt und Zivilcourage mit praktischen Übungen und gemeinsamer Reflexion. Die zentrale Frage lautet nicht, wer besonders mutig ist, sondern wie hilfreiches und möglichst sicheres Handeln aussehen kann.
Theaterpädagogik als Raum zum Ausprobieren
Theaterpädagogische Methoden eröffnen die Möglichkeit, Konfliktsituationen aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Das Alltagshelden-Konzept verbindet dafür Wahrnehmungs- und Körperübungen mit Forumtheater, szenischer Arbeit und Reflexionsphasen. Die Teilnehmenden können eigene Ideen einbringen, unterschiedliche Rollen einnehmen und Handlungsmöglichkeiten erproben.
Im szenischen Spiel lässt sich eine Situation anhalten und verändern. Was könnte passieren, wenn eine außenstehende Person Unterstützung anbietet? Wie wirkt eine klare Ansprache? Welche Möglichkeiten entstehen, wenn weitere Menschen einbezogen werden? Statt bei einer einzigen Antwort zu bleiben, können unterschiedliche Vorschläge nebeneinander betrachtet werden.
Auch Stimme, Körpersprache und räumliche Distanz gehören zu diesem Zugang. Es geht darum, das eigene Auftreten bewusster wahrzunehmen, persönliche Grenzen auszudrücken und die Reaktionen anderer aufmerksam zu beobachten. Nicht eine überzeugende schauspielerische Leistung steht dabei im Vordergrund, sondern die Auseinandersetzung mit dem eigenen Handlungsspielraum.
Für die Gruppe an der Beruflichen Schule Berta Jourdan bot dieser Ansatz einen Rahmen, um Zivilcourage nicht ausschließlich als theoretisches Thema zu behandeln, sondern mit konkreten Entscheidungen und möglichen Reaktionen zu verbinden.
Verantwortung übernehmen, ohne sich zu überfordern
Ein wichtiger Grundgedanke des Workshops ist die Unterscheidung zwischen couragiertem und unüberlegtem Handeln. Zivilcourage verlangt keine außergewöhnliche Heldentat. Sie bedeutet auch nicht, einen Konflikt allein lösen oder sich einer gefährlichen Situation aussetzen zu müssen.
Im Mittelpunkt steht vielmehr die Suche nach Handlungsmöglichkeiten, die Unterstützung und Selbstschutz zusammendenken. Dazu gehören das Organisieren von Hilfe, das Einbeziehen anderer und die bewusste Hinwendung zu einer betroffenen Person. Entscheidend ist nicht, einen Konflikt zu „gewinnen“, sondern Unterstützung zu ermöglichen, ohne die Situation zusätzlich zu verschärfen.
Gerade für Erwachsene eröffnet diese Perspektive einen wichtigen Reflexionsraum: Welche Verantwortung kann ich übernehmen? Wo liegen meine Grenzen? Und wie kann ich trotz Unsicherheit handlungsfähig bleiben? Im Verständnis des Bildungsformats sind diese Fragen kein Gegensatz zu Mut, sondern Teil eines besonnenen Umgangs mit Verantwortung.
Ein Impuls für ein respektvolles Miteinander
Der Workshop an der Beruflichen Schule Berta Jourdan verband die Beschäftigung mit Zivilcourage mit Fragen, die über den Unterricht hinausreichen. Respekt, Empathie und Solidarität betreffen nicht nur das Zusammenleben in einer Lerngruppe, sondern ebenso persönliche Beziehungen, berufliche Begegnungen und den Umgang mit Menschen im öffentlichen Raum.
Der gemeinsame Termin bot Gelegenheit, solche Fragen aufzugreifen und mögliche Antworten praktisch zu erkunden. Als Impuls kann der Workshop dazu beitragen, die eigene Haltung weiter zu reflektieren und Handlungsmöglichkeiten im Alltag bewusster wahrzunehmen.
Wir bedanken uns herzlich bei den 15 Teilnehmenden für ihre Teilnahme. Ebenso danken wir Masumi Eichhöfer für die Zusammenarbeit und die organisatorische Unterstützung sowie Frau Belanger für die Begleitung der Gruppe.
Zivilcourage bedeutet nicht, auf jede Situation eine perfekte Antwort zu haben. Sie beginnt mit der Bereitschaft, hinzusehen, Unterstützung zu ermöglichen und Verantwortung im Rahmen der eigenen Möglichkeiten zu übernehmen.
Ansprechpartnerin: Fabienne Fromm
Projektkoordination




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