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Zivilcourage im Schulalltag stärken – Workshop an der Stadtschule Schlüchtern

2 hours ago
3 min read

Schüler der Klasse 8H erproben im theaterpädagogischen Workshop Verantwortung, Haltung und solidarisches Handeln


Schlüchtern, 29.01.2026


Zivilcourage beginnt oft in kleinen Momenten: wenn jemand ausgeschlossen wird, wenn verletzende Worte fallen oder wenn eine Gruppe schweigt, obwohl Unterstützung gebraucht wird. Gerade im Schulalltag begegnen Jugendliche solchen Situationen immer wieder. Doch mutig zu handeln bedeutet nicht, unüberlegt einzugreifen. Es bedeutet, aufmerksam zu sein, Verantwortung zu übernehmen und eine sichere Form der Unterstützung zu finden.


Am 29. Januar 2026 war der Tuğçe Albayrak e. V. mit seinem theaterpädagogischen Bildungsformat „Alltagshelden – Zivilcourage erleben“ an der Stadtschule Schlüchtern zu Gast. Gemeinsam mit 25 Schüler der Klasse 8H entstand ein geschützter Raum, in dem die Jugendlichen eigene Erfahrungen, Unsicherheiten und Handlungsmöglichkeiten rund um Zivilcourage reflektieren konnten.


Wenn Alltagssituationen zur Übung für Verantwortung werden


Im Mittelpunkt des Workshops standen Szenen, die nah an der Lebenswelt der Jugendlichen liegen: Konflikte in der Klasse, Ausgrenzung auf dem Schulhof, Gruppendruck oder Situationen, in denen jemand Hilfe braucht, aber niemand den ersten Schritt macht. Durch theaterpädagogische Übungen wurden diese Momente nicht nur besprochen, sondern körperlich und emotional erfahrbar gemacht.


Die Schüler entwickelten eigene Szenen, wechselten Perspektiven und probierten verschiedene Reaktionen aus. Dabei wurde sichtbar, wie stark sich eine Situation verändern kann, wenn jemand eine klare Grenze setzt, einer betroffenen Person beisteht oder Unterstützung durch andere organisiert. Auch die Frage, wann man Hilfe holen sollte, spielte eine wichtige Rolle.


Besonders eindrücklich war die Arbeit mit Körpersprache, Stimme und Haltung. Die Jugendlichen konnten ausprobieren, wie ein sicherer Stand, Blickkontakt oder ein ruhiger Satz Wirkung entfalten können. Gleichzeitig wurde deutlich, dass Zivilcourage nicht immer laut sein muss. Manchmal beginnt sie bereits damit, nicht mitzulachen, nicht wegzusehen oder einer Person zu zeigen: Du bist nicht allein.



Die Stadtschule Schlüchtern – Lernen, Förderung und Gemeinschaft


Die Stadtschule Schlüchtern ist eine verbundene Haupt- und Realschule des Main-Kinzig-Kreises. Die Hauptschule umfasst die Jahrgänge 5 bis 9, mit einer freiwilligen 10. Klasse; die Realschule führt von Klasse 5 bis 10. Neben den schulischen Abschlüssen legt die Schule Wert auf unterschiedliche Bildungswege, individuelle Förderung und praktische Orientierung. Besonders in der Hauptschule gehören Praxistage und Schwerpunkte der Berufsorientierung zum Profil der Schule.


Seit dem Schuljahr 2006/2007 ist die Stadtschule zudem eine ganztägig arbeitende Schule. Das Ganztagsangebot verfolgt das Ziel, Schüler individuell im Wissenserwerb und in ihrer sozialen Kompetenz zu fördern. Dazu gehören unter anderem Hausaufgabenbetreuung, Förderangebote, Arbeitsgemeinschaften sowie Angebote in den Bereichen Kunst, Musik und Sport.


Diese Ausrichtung bot einen passenden Rahmen für den Workshop „Alltagshelden – Zivilcourage erleben“. Denn auch hier ging es darum, junge Menschen nicht nur fachlich, sondern persönlich und sozial zu stärken. Die theaterpädagogische Arbeit knüpfte an das schulische Umfeld an, indem sie kreatives Lernen mit Fragen von Verantwortung, Respekt und solidarischem Handeln verband.


Theaterpädagogik als Raum für Haltung


Theaterarbeit ermöglicht Jugendlichen, soziale Situationen aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten. Wer spielt die betroffene Person? Wer schaut zu? Wer greift ein? Und was verändert sich, wenn eine einzelne Person den Mut findet, anders zu handeln?


Im Workshop wurde deutlich, dass Zivilcourage nicht auswendig gelernt werden kann. Sie muss erprobt, gespürt und reflektiert werden. Genau dafür bietet die Theaterpädagogik einen besonderen Raum. Die Jugendlichen können Handlungen ausprobieren, ihre Wirkung beobachten und gemeinsam überlegen, welche Form des Eingreifens in realen Situationen hilfreich sein könnte.


Dabei wurde auch sichtbar, dass Verantwortung nicht bedeutet, allein alles lösen zu müssen. Couragiertes Handeln kann darin bestehen, andere einzubeziehen, eine Lehrkraft zu informieren, einer betroffenen Person zur Seite zu stehen oder eine Situation nachträglich anzusprechen. Entscheidend ist, nicht gleichgültig zu bleiben.


Ein Impuls für ein respektvolles Miteinander


Der Workshop an der Stadtschule Schlüchtern setzte einen wichtigen Impuls für das soziale Miteinander der Klasse 8H. Die Schüler konnten erfahren, dass Zivilcourage viele Formen hat und oft dort beginnt, wo Menschen aufmerksam bleiben und sich bewusst gegen Wegsehen entscheiden.


Wir bedanken uns herzlich bei den 25 Schüler der Klasse 8H für ihre Offenheit und ihre Bereitschaft, sich auf die Übungen und Perspektivwechsel einzulassen. Ebenso danken wir Herrn Zielesny für die Begleitung der Klasse sowie Tamara Soukup für die angenehme Zusammenarbeit und die organisatorische Unterstützung.


Der gemeinsame Workshoptag hat gezeigt: Haltung entsteht nicht erst in außergewöhnlichen Situationen. Sie wächst im Alltag – im Zuhören, im Hinschauen, im Unterstützen und in der Entscheidung, Verantwortung füreinander zu übernehmen.



Ansprechpartnerin: Fabienne Fromm

Projektkoordination


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