Zivilcourage heißt Haltung zeigen – Alltagshelden an der Albert-Schweitzer-Schule Offenbach
Updated: Oct 7
20 Schüler*innen der Q-Phase setzen sich theaterpädagogisch mit Verantwortung, Handlungssicherheit und der Frage auseinander, wie couragiertes Eingreifen gelingen kann

Schüler*innen der Q-Phase der Albert-Schweitzer-Schule Offenbach erfahren im Workshop über Zivilcourage, Verantwortung und gemeinschaftlichen Zusammenhalt.
Offenbach am Main, 08.09.2026
Am 8. September 2026 war der Tuğçe Albayrak e. V. mit seinem theaterpädagogischen Bildungsformat „Alltagshelden – Zivilcourage erleben“ an der Albert-Schweitzer-Schule in Offenbach am Main zu Gast. Gemeinsam mit 20 Schüler*innen der Q-Phase entstand ein geschützter Erfahrungsraum, in dem es nicht nur darum ging, über Zivilcourage zu sprechen, sondern konkrete Handlungsmöglichkeiten zu erproben.
Begleitet und organisatorisch unterstützt wurde der Workshop von Janina Lenz. Ein besonderer Dank gilt dem Jugendamt Offenbach, durch dessen Finanzierung die Durchführung des Workshops ermöglicht wurde.
Wenn aus Wissen Handeln werden soll
Was bedeutet Zivilcourage eigentlich in einer konkreten Situation? Wann sollte ich eingreifen? Wann ist es besser, Unterstützung zu organisieren? Und wie kann ich einem Menschen helfen, ohne mich selbst oder andere zusätzlich in Gefahr zu bringen?
Gerade für junge Erwachsene sind diese Fragen von besonderer Bedeutung. Mit zunehmender Selbstständigkeit erweitern sich auch die Räume, in denen eigene Entscheidungen und Verantwortung gefragt sind – in der Schule, im Freundeskreis, im öffentlichen Raum, im Nachtleben oder in digitalen Lebenswelten.
Der Workshop setzte deshalb dort an, wo theoretisches Wissen allein häufig nicht ausreicht: beim tatsächlichen Handeln.
Mithilfe theaterpädagogischer Übungen beschäftigten sich die Schüler*innen mit Konflikt- und Gewaltsituationen, wechselten Perspektiven und erprobten unterschiedliche Reaktionsmöglichkeiten. Sie konnten unmittelbar erleben, welche Wirkung Stimme, Blickkontakt, Körperhaltung und räumliche Distanz haben und wie unterschiedlich eine Situation verlaufen kann, wenn jemand bewusst handelt, Unterstützung organisiert oder einer betroffenen Person zur Seite steht.
Dabei wurde deutlich: Zivilcourage bedeutet nicht, sich unüberlegt in Gefahr zu bringen. Couragiertes Handeln kann ebenso bedeuten, eine Situation aufmerksam wahrzunehmen, Grenzen klar zu benennen, andere gezielt um Hilfe zu bitten oder Betroffene aus einer Situation heraus zu unterstützen.
Theaterpädagogik als Trainingsraum für reale Situationen
Ein zentraler Bestandteil des Workshops ist die Arbeit mit theaterpädagogischen Methoden. Anders als bei einer rein theoretischen Auseinandersetzung können soziale Situationen dadurch nicht nur beschrieben, sondern tatsächlich durchgespielt, verändert und aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden.
Im Forumtheater und in der szenischen Arbeit wurden die Schüler*innen selbst zu Gestaltern. Konfliktsituationen konnten unterbrochen, verändert und erneut gespielt werden. Unterschiedliche Handlungsvorschläge wurden ausprobiert und gemeinsam auf ihre mögliche Wirkung hin betrachtet.
Was passiert, wenn niemand reagiert? Was verändert sich, wenn eine Person den ersten Schritt macht? Wie kann Unterstützung aussehen, ohne einen Konflikt weiter zu eskalieren? Und welche Rolle spielen diejenigen, die eine Situation beobachten?
Gerade dieser Perspektivwechsel macht sichtbar, dass Konflikte selten nur aus „Täter“ und „Opfer“ bestehen. Auch Zuschauer und Außenstehende beeinflussen durch ihr Verhalten, Schweigen oder Eingreifen, wie sich eine Situation entwickelt.
So wurde Theater zum praktischen Trainingsraum für Empathie, Selbstwirksamkeit und verantwortungsbewusstes Handeln.
Haltung entsteht durch Erfahrung
Der Workshop an der Albert-Schweitzer-Schule hat gezeigt, wie intensiv sich auch ältere Schüler*innen mit der Frage auseinandersetzen können, welche Verantwortung sie selbst in schwierigen Situationen übernehmen möchten und können.
Die 20 Schüler*innen der Q-Phase erlebten Zivilcourage dabei nicht als abstrakten moralischen Anspruch, sondern als etwas, das sich trainieren und reflektieren lässt. Wahrnehmen, Abstand einschätzen, kommunizieren, Unterstützung organisieren, Perspektiven wechseln und Entscheidungen treffen – all das sind Fähigkeiten, die dazu beitragen können, in entscheidenden Momenten handlungsfähig zu bleiben.
Wir bedanken uns herzlich bei den 20 Schüler*innen für ihre Offenheit und ihre aktive Beteiligung. Ebenso danken wir Janina Lenz für die angenehme Zusammenarbeit und die organisatorische Begleitung sowie dem Jugendamt Offenbach für die Finanzierung und Unterstützung des Workshops.
Der Workshoptag hat einmal mehr deutlich gemacht: Zivilcourage beginnt nicht erst mit einer außergewöhnlichen Heldentat. Sie beginnt dort, wo Menschen aufmerksam bleiben, Verantwortung wahrnehmen und sich bewusst dafür entscheiden, nicht wegzusehen.
Ansprechpartnerin: Fabienne Fromm
Projektkoordination




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