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Mutig handeln statt wegsehen – Zivilcourage an der KGS Niederrad

Mar 10
3 min read

Schüler der Klasse 9H erproben im theaterpädagogischen Workshop, wie sie in schwierigen Alltagssituationen Verantwortung übernehmen können.


Schüler der Klasse 9H der KGS Niederrad lernen über Zivilcourage, gemeinschaftlichen Zusammenhalt und Verantwortung.


Frankfurt am Main, 03.03.2026


Zivilcourage beginnt häufig in Situationen, die auf den ersten Blick alltäglich erscheinen: bei einem abwertenden Kommentar, beim Ausschluss einer Person aus der Gruppe oder in einem Moment, in dem jemand Unterstützung benötigt. Doch gerade dann stellt sich die Frage, wie man reagieren kann, ohne die Situation weiter zu verschärfen oder sich selbst in Gefahr zu bringen.


Am 3. März 2026 war der Tuğçe Albayrak e. V. mit seinem theaterpädagogischen Bildungsformat „Alltagshelden – Zivilcourage erleben“ an der Kooperativen Gesamtschule Niederrad in Frankfurt am Main zu Gast. Gemeinsam mit den 20 Schüler der Klasse 9H entstand ein geschützter Erfahrungsraum, in dem die Jugendlichen unterschiedliche Formen couragierten Handelns kennenlernen, erproben und reflektieren konnten.


Alltagssituationen auf die Bühne bringen 


Im Mittelpunkt des Workshops standen Konflikte und soziale Dynamiken, denen Jugendliche in der Schule, im Freundeskreis, im öffentlichen Raum oder in digitalen Medien begegnen können. Was geschieht, wenn eine Person ausgegrenzt wird? Weshalb fällt es manchmal schwer, einer Gruppe zu widersprechen? Und welche Handlungsmöglichkeiten gibt es, wenn ein direktes Eingreifen zu riskant erscheint?


Mithilfe theaterpädagogischer Übungen wurden solche Fragen nicht nur besprochen, sondern in konkreten Szenen erfahrbar gemacht. Die Schüler konnten Situationen aus verschiedenen Perspektiven betrachten und unterschiedliche Reaktionen ausprobieren. Sie erlebten, wie sich eine Szene verändert, wenn jemand klar widerspricht, einer betroffenen Person beisteht oder Unterstützung durch weitere Personen organisiert.


Dabei spielte auch die nonverbale Kommunikation eine wichtige Rolle. Die Jugendlichen setzten sich damit auseinander, wie Haltung, Blickkontakt, Stimme und die eigene Position im Raum auf andere wirken können. Ein ruhiges und bestimmtes Auftreten kann bereits signalisieren, dass abwertendes oder verletzendes Verhalten nicht unwidersprochen bleibt.


Nicht die schauspielerische Leistung stand im Vordergrund, sondern die Bereitschaft, sich auf neue Perspektiven einzulassen. Der Workshop machte sichtbar, dass es für couragiertes Handeln nicht nur einen richtigen Weg gibt. Manchmal bedeutet Zivilcourage, deutlich Nein zu sagen. In anderen Situationen kann es verantwortungsvoller sein, Hilfe zu holen, eine betroffene Person aus der Situation zu begleiten oder ihr im Anschluss Unterstützung anzubieten.


Die KGS Niederrad – selbstständiges Lernen und Verantwortung 


Die KGS Niederrad ist eine kooperative Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe, die inklusiv und als gebundene Ganztagsschule arbeitet. Zu ihren pädagogischen Schwerpunkten gehören Kommunikation und forschendes Lernen in personalisierten Lerngelegenheiten.  


Neben der fachlichen Bildung nimmt auch die gesellschaftliche Verantwortung einen wichtigen Platz im Schulkonzept ein. Im Klassenrat üben die Lernenden bereits ab der 5. Jahrgangsstufe demokratische Strukturen. Darüber hinaus gehören ein eigenes Schulfach „Verantwortung“ sowie soziale Projekte zum schulischen Angebot.


Der Workshop „Alltagshelden – Zivilcourage erleben“ knüpfte unmittelbar an diese Ausrichtung an. Auch hier wurden den Jugendlichen keine fertigen Antworten vorgegeben. Stattdessen entwickelten sie eigene Handlungsmöglichkeiten, überprüften deren Wirkung und reflektierten gemeinsam, wie verantwortungsvolles Eingreifen im Alltag gelingen kann.


Wenn aus Reflexion Handlung wird


Der Workshop an der KGS Niederrad zeigte, wie theaterpädagogische Methoden Jugendliche dabei unterstützen können, soziale Konflikte bewusster wahrzunehmen und neue Reaktionsweisen zu entwickeln. Zivilcourage wurde dabei nicht als außergewöhnliche Heldentat vermittelt, sondern als Haltung, die in kleinen und bewussten Entscheidungen sichtbar wird.


Ein respektvolles Nein, das Hinzuholen einer Lehrkraft, das Ansprechen weiterer Umstehender oder ein unterstützendes Gespräch mit einer betroffenen Person können bereits entscheidende Unterschiede bewirken. Wichtig ist, nicht gleichgültig zu bleiben und die eigenen Möglichkeiten realistisch einzuschätzen.


Wir bedanken uns herzlich bei den 20 Schüler der Klasse 9H für ihre Offenheit und ihre Bereitschaft, sich auf die szenischen Übungen und Perspektivwechsel einzulassen. Ebenso danken wir Aisha Muzafar für die Begleitung der Klasse sowie Ricarda Ebert-Diehl für die angenehme Zusammenarbeit und die organisatorische Unterstützung.


Der gemeinsame Workshoptag setzte einen wichtigen Impuls dafür, aufmerksam hinzusehen, Verantwortung zu übernehmen und im richtigen Moment nicht allein Zuschauer zu bleiben.


Ansprechpartnerin: Fabienne Fromm

Projektkoordination


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